“Das wollte ich nicht!” oder: true choice comes from knowledge

 

Vor ein paar Tagen kam mein Sohn recht geknickt vom Spielen im Hof zurück zu mir in den Garten.
‘Ich habe mir wehgetan und die Maria hat mir ein Pflaster auf’s Bein geklebt.’ Er zog seine Hose hoch und zeigte mir sein rechtes Schienbein. Ich sah einen minimalen rot-weißen Punkt und darunter ein großes, rotes Kinderpflaster mit lachenden Teddybären drauf (die von der fiesen, klebrigen Sorte).
‘Ist das dein Aua?’, fragte ich und zeigte auf die Stelle an seinem Bein über dem Pflaster. ‘Mmhh, ja.’ ‘Aber das Pflaster ist ja dadrunter.’
Finn versuchte, es ab zu machen und auf die richtige Stelle zu kleben. Aber schon beim ersten Versuch, auch nur die Ecke dieses Klebemonsters anzuheben, durchfuhr es ihn, er sah mich groß an und seine Augen füllten sich mit Tränen.

Ein paar Sekunden später hatte er es begriffen: das Pflaster musste irgendwann auch wieder runter,  was viel mehr weh tun wird als die eigentliche, ursprüngliche Verletzung, es war an falscher Stelle aufgeklebt (machte also noch nicht einmal einen Sinn) und sein Aua war überhaupt so klein, dass auch Pusten und ein Bussi völlig ausreichend für die Heilung gewesen wären.

Ich war schon länger auf der Terasse gewesen und hatte nichts von seinem Unfall mitbekommen = er hatte nicht laut geweint und nach mir gerufen.

Jetzt aber war das Geschrei riesengroß:

‘Ich habe das gar nicht gewollt!!!!! Ich wollte kein Pflaster! Die Maria hat es mir einfach so drauf gegeben! So ein BLÖDES PFLASTER!!!!!!

Finn konnte sich gar nicht mehr beruhigen. Er war ganz außer sich.
Er fühlte sich wütend, traurig, aufgebracht, übergangen, überrumpelt.

Es ist etwas mit ihm gemacht worden, dass er nicht wollte. Und er spürte es erst, NACHDEM es gemacht worden ist.
Es ist ihm erst im Nachhinein klar geworden.

Ich fragte ihn, ob er wolle, dass ich mit der Nachbarin spreche. Er nickte und nahm meine Hand. Immer noch weinte er stark. Ich läutete an Maria’s Tür und erklärte ihr, dass Finn sehr aufgebracht und traurig ist, weil er das Pflaster von ihr gar nicht gewollt hat. Es sei wohl ein Missverständnis gewesen.
Ich kannte die Nachbarin gut und mir war klar, dass sie es lieb gemeint hatte, wusste aber auch, dass das Feingefühl für’s Körperliche bei ihr nicht so ausgeprägt war.
Sie entschuldigte sich – eher bei mir als bei Finn. Zu ihm sagte sie: ‘ Aber das ist gut für dich. Da bist du wie ein Held.’ Ich betonte abermals, dass Finn damit nicht einverstanden gewesen war.Meinem Sohn war Heldenhaftigkeit weitgehend egal und zog mich, immer noch weinend, wieder nach Hause.

Ich musste noch den ganzen Abend über dieses Ereignis nachdenken.

Finn hatte sich beruhigt und schlief mittlerweile, wenn er sich auch nicht hatte waschen lassen aus Angst vor den Pflasterschmerzen.
(Es sei dazu gesagt, dass sich Finn schon einmal ganz tief in den Daumen geschnitten hatte. Er kannte sich mit starken Verletzungen, mit Blut, mit Wundversorgung und auch mit Pflastern aus – so ein Geschrei hatten wir damals allerdings nicht.)

Was mich wirklich zum Nachdenken brachte, war weniger die Tatsache, dass mit meinem Sohn etwas gemacht wurde, was er nicht wollte, und ich es als Mutter nicht hatte verhindern können.
Das würde wohl – wenn auch hoffentlich nur in so halbwegs milden Ausmaßen – immer mal wieder vorkommen und mein Sohn musste ja auch erfahren, wie das dann ist und was man dagegen tun kann.

Nein, ich dachte mehr darüber nach, wie wichtig Selbstbestimmung ist. Und zwar gerade und besonders, wenn es um den eigenen Körper geht.

Der Körper ist viel mehr als nur ein Transportmittel für unseren Kopf (um es mit den Worten von Ken Robinson zu sagen).
Die klare Einteilung von und Spaltung in Körper und Geist ist für mich grob falsch.Alles ist verbunden, das Eine beeinflusst das Andere.
Erinnerungen und Erfahrungen sind bei uns im Körper gespeichert und nicht wirklich im Geist. Unser Bewusstsein macht nur 2-3 % unserer Wahrnehmung aus. Der Rest geschieht im Unbewussten.
In unserer individuellen Zellenmagie.Die meisten Eindrücke erfahren wir mit unserem Körper. So ist die Haut z.B. unser größtes Organ.
Das, was wir über unseren Körper erfahren, kann tiefe Auswirkungen auf unseren seelischen Zustand haben.

Selbst zu bestimmen, was mit dem eigenen Körper geschehen soll, gibt uns selbst das Gefühl von Urheberschaft über das eigene Leben und Erleben.

Ich musste auch darüber nachdenken, wie es doch immer wieder vorkommen kann, dass etwas mit unserem Körper gemacht wird, wovon wir gar nicht wussten und erst im Nachhinein erkannten, dass es so unangenehme Folgen haben wird.Immer wieder kann es so auch Frauen unter der Geburt gehen:
Legen des Venenzugangs, Vaginaluntersuchungen, manuelle Muttermunderweiterungen, künstliche Wehenmittel, Schmerzmittel, Öffnen der Fruchtblase, Kristeller-Manöver (das heftige Herunterdrücken durch einen Arzt oder eine Hebamme auf den Bauch und das Kind während der Geburtsphase), Dammschnitt, Ziehen an der Nabelschnur…

Wenn solche Dinge, die an sich schon unangenehm genug sind, ohne das Einverständnis der Mütter – und ich meine ein Einverständnis nach umfassender Aufklärung über mögliche Auswirkungen und Folgen und das Erklären des Vorgangs und eventueller auftauchender Körperreaktionen – passiert, dann hinterlassen solche Interventionen einen äußerst bitteren Nachgeschmack.

Ein Gefühl von psychischer Verletzung.
Von Missbrauch.
Auch ein Gefühl der Minderwertigkeit, des Nicht-Zählens.

Es ist der perfekte Nährboden für post-natale Depression und Burn Out.

‘True choice comes from knowledge’ hat mein Mann gestern beim Elternabend von Finns Montessori Kindergarten gelernt.
In dem Zusammenhang ging es darum, wie das selbstbestimmte Lernen von Wissen – je nach Interessensgebiet der Kinder – diesen im weiteren Leben wirkliche Wahlmöglichkeit geben kann.

Wie oft spreche ich von ‘informed decision’, wenn es um die Geburt geht.

Nur wer sich alle Informationen eingeholt und für sich ausgewertet hat, kann zu stimmigen Entscheidungen kommen.

Und auch, wenn man sich manchmal für sehr unangenehme Dinge entscheiden muss, so ist es wichtig zu wissen, dass man selbst diese Entscheidung nach bestem Wissen und Gewissen gefällt hat.

Ich hab’s schon öfter gesagt: ‘Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.’

 

Lasst Euch nicht einfach so ein Pflaster draufkleben!

  • Fragt nach, ob Ihr es auch wirklich braucht (ich würde sagen, wenn es nicht blutet, reicht erst einmal Pusten und ein Bussi)
  • Lasst Euch darüber informieren, wie groß und wie klebrig das Pflaster sein wird, inwieweit es Eure umliegende Haut aufweichen wird, wie es um die Abnahme des Pflasters steht, was für eventuelle Schwierigkeiten da noch auf Euch zukommen können und entscheidet, ob der schmerz der eigentlichen Verletzung nicht das geringere Übel im Vergleich zu dem Pflasterrummel ist
  • Pfeift auf Heldenhaftigkeit (sowie auf Folgsamkeit)
  • Entscheidet SELBST, was mit Eurem Körper gemacht werden soll
  • Sollte es passiert sein, dass Euch doch gegen Euren Willen ein klebriges Monsterpflaster aufgeklebt wurde, sucht Euch eine Person des Vertrauens, bei der Ihr Euch ausheulen könnt (and remember: Don’t shut up and get on with it!) und mit der Ihr die ganze Angelegenheit bearbeiten könnt.

Ihr habt nicht einen Körper – Ihr seid Euer Körper!
Schaut auf Euch!

Big hug,
Nina

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